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Volltanken in Viipuri

Seit unserem ersten - und bislang einzigen Besuch in Wyborg sind 15 Jahre vergangen. Damals war die Stadt eher ein Schatten ihrer selbst und hatte die besten Zeiten erkennbar hinter sich. Kürzlich berichtete eine russische Zeitung, dass der Verfall der Stadt immer weiter fortschreite. Das wäre extrem schade. Wyborg (Dezember 2001). „Nein, im Hotel Druschba sind keine Zimmer mehr frei.“ Die Hotel-Rezeption macht keine Hoffnung, dass vielleicht noch eine Reservierung storniert wird: „Unsere Touristen kommen immer.“ Ob Weiße Nächte im Sommer, oder frostiger Winter: Jedes Wochenende erreicht eine Karawane bunter Reisebusse die beschauliche russische Provinzstadt Wyborg am Finnischen Meerbusen und haucht ihr Leben ein. Wyborg ist neben dem estnischen Tallinn das Zentrum für finnische Trinktouristen schlechthin. Champagner in der einen, Wodka in der anderen Hand Wyborg, von dem Schwedenherrscher Knutsson im 13. Jahrhundert gegründet, war unter dem Namen Viipuri lange ein Teil Finnlands, bis Stalin den kleinen Nachbarstaat 1939 mit seinen Divisionen überfiel und den östlichen Teil Kareliens annektierte. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört die Stadt endgültig zum Leningrader Gebiet. Aber an den Wochenende holen sich die Finnen die Hoheit über ihre alte Handelstadt zurück. Auf dem Marktplatz, auf dem Einheimische Kristallgläser, Pelzmützen und raubkopierte Hollywood-Filme in finnischer …