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Türkei – Atemberaubende Landschaften, nie gekannte Gastfreundschaft und ein großes „Plus“ für Wohnmobilreisende

Lisa Rudolph (Reiseblog: caravanci.com)

Ich fahre mein Reisemobil auf die Fähre, steige aus und genieße den Wind, der mir während der Überfahrt zwischen zwei Kontinenten salzige Luft um die Nase weht. Wenn ich zügig und mit Klimaanlage unterwegs bin, passiert es mir, dass ich erst hier, an den Dardanellen, nach mehr als 200 Kilometern im Land, türkische Luft schnuppere.

Ich blicke stolz auf mein Fahrzeug, das – Nase voraus – Richtung Asien schippert, genieße die Ausblicke übers türkisfarbene Meer, die Bauten an Land und die eindrucksvolle neue Brücke, deren Spannweite von 2023 Metern den einhundertsten Jahrestag der Gründung der modernen Türkei ehrt.

In mir kommt große Freude auf: Ich freue mich auf wuselige Basare, die unglaublich leckere türkische Küche, das türkisblaue Meer, die unendlich große Gastfreundschaft der Landsleute, feine Sandstrände unter meinen Füßen, alte Freunde und neue Entdeckungen unterwegs.

Ganz weit im Hinterkopf weiß ich genau: Wenn ich mich in einigen Wochen mit dieser Fähre auf dem Rückweg befinde, werden mir wieder Tränen übers Gesicht kullern. Irgendeinen besonderen Zauber hat der asiatische Kontinent für mich. Ihn zu verlassen und wieder zurück in Europa zu sein, macht jedes Mal etwas mit mir.

Aber erst mal Blick nach vorne: Denn nach nur 20 Minuten Fahrt mit der Fähre berühren die Reifen meines Reisemobils in Çanakkale endlich asiatischen Boden. Hier geht die Reise für mich erst richtig los, hier beginnt „meine Türkei“.

Mit deutscher Spießigkeit kommt man in der Türkei nicht weit – man sucht entweder schnell wieder das Weite oder lernt, sich anzupassen und Vieles entspannter zu sehen. Ebendieses Mindset sei dir auch beim Lesen dieses Artikels ans Herz gelegt, denn hier und da versteckt sich zwischen den Zeilen ein Zwinkern und Ironie einerseits sowie über einige Jahre reisende Erfahrung in der Türkei andererseits. Außerdem spiegelt alles Erzählte meine persönlichen Erfahrungen wider und stellt keine Aufforderung dar, es genauso zu tun.

Wenn man sich im Ausland, in anderen Kulturen bewegt, fällt einem manchmal erst auf, wie „deutsch“ man ist: Wie misstrauisch Fremden gegenüber, wie angespannt, wenn das Fahrzeug in eine Werkstatt muss, mit deren Mitarbeitern man sich nur mit Händen und Füßen verständigen kann, wie perplex, wenn man aus dem Nichts einfach frisches Obst und Gemüse geschenkt bekommt.

Ich sage es wie es ist: Wäre meine Anstellung über eineinhalb Jahre an einer Deutschen Schule nicht in der Türkei gewesen,
sondern in Albanien oder Ungarn, würde ich heute eventuell von einem ganz anderen Land so ausführlich schwärmen, wie von der Türkei.

Sicher hatte es einen Grund, weswegen mich die Türkei so angezogen hat. Eine logische Erklärung würde meinem Bauchgefühl hierfür nicht gerecht werden. Mein erster Eindruck von der Türkei war zugegebenermaßen nicht allzu positiv: Der Öffentliche Raum ist nicht so sauber und „clean“ wie hierzulande und auf dem Land gilt beim
Hausbau eher „Außen pfui, innen hui“.

Mich hat die Türkei dennoch innerhalb kürzester Zeit für sich begeistern können: Landsleute, die sich für dich als ausländischen Touristen fast ein Bein ausreißen, um deine
speziellen Wünsche zu erfüllen oder dir einfach einen riesigen Gefallen tun. Die Nachfrage in einer Werkstatt, wo ich denn eine Gasflasche herbekomme, endet damit, dass mir
Mitarbeiter eine solche aus der Stadt holen – denn mit meinem Van wäre es dort sicher viel zu eng gewesen, wie man mir sagt. Parkend im Wohngebiet klopft jemand Wildfremdes an meinem Van, nur um mich zu fragen, ob ich etwas brauche – er sei auch Wohnmobilist und ich könne gern auf ihn zukommen, nur zwei Straßen weiter. Am schönsten Freistehplatz, an dem auch die Türken gern campen (meist mit Zelt), bekommt man ein Stück Melone oder den frisch gefangenen Fisch geschenkt, ohne vorher Kontakt zu den Nachbarn gehabt zu haben. Ich könnte diese Liste endlos fortführen.

Früher oder später fragt man sich unweigerlich: Würde ich Selbiges tun, wenn ich Reisenden mit ausländischem Kennzeichen in Deutschland begegne?

Abgesehen von dieser unendlich großen Gastfreundschaft fasziniert mich die Türkei immer wieder, da sie im Vergleich zu vielen europäischen Ländern, oft noch sehr roh und
ursprünglich ist. Das Ganze wird für uns Camper noch dadurch getoppt, dass Wildcampen nicht verboten ist, denn die nomadischen Wurzeln vieler Menschen, die heute in der Türkei leben, werden vor allem an Wochenenden und Feiertagen deutlich sichtbar. Mit der ganzen Familie und einem Auto voll Teppichen, Planen, Zelten, Grill, Teezubereiter und Verpflegung wird gerne ein kleines Camp dort aufgeschlagen, wo sich auch Wohnmobile gern tummeln. Camping ist also Volkssport – in allen Variationen.

Mittlerweile entdecken auch die Türken Wohnmobile für sich – oder besser gesagt: Kastenwagen. Dort gibt es keine großen Hersteller oder Fahrzeuge von der Stange – dafür umso mehr Unternehmen, die sich auf den Ausbau von neuen oder gebrauchten Kastenwagen spezialisiert haben.

Als ideale Reisezeit empfehle ich Frühling und Herbst – jedoch nicht die sehr heißen Sommermonate Juli und August. Der September hat sich für mich als perfekte Verlängerung des deutschen Sommers herausgestellt und mittlerweile sogar etabliert.

Ideal für Wohnmobilreisen ist die Türkei außerdem, weil es unzählige Quellen entlang der Straßen gibt, um Frischwasser zu tanken. Die Möglichkeit, fast überall Müll in große Container entsorgen zu können, ist ebenfalls ein großer Vorteil. Allerdings gibt es für Chemietoiletten keinerlei Entsorgungsmöglichkeit (außer bestenfalls die normale Toilette auf Campingplätzen), sodass sich hier eine Trenntoilette definitiv als vorteilhaft erweist. Auch die Grauwasserentsorgung kann sich schwierig gestalten. Biologisch abbaubare Seifen sollte man daher vorsichtshalber an Bord haben.

Vielleicht hat dein geliebtes Reisemobil ja schon bald den Boden eines weiteren Kontinents unter den Rädern und ermöglicht dir mithilfe meines Buchs, einen Teil Asiens zu er-fahren! Iyi yolculuklar! (Gute Reise!)

Text und Bilder von Lisa Rudolph (wenn nicht anders vermerkt)

Reiseblog: caravanci.com
Instagram: @lisacaravanci

Lisa ist Autorin des Buches „Türkei – Die Ägäische und Lykische Küste mit dem Wohnmobil entdecken“. Das Buch ist nicht nur Reiseführer, sondern gibt dir auch alle wichtigen Infos an die Hand, die du für eine optimal vorbereitete und sichere Reise in die Türkei benötigst.