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Seit drei Jahren minimalistisch und planlos im Reisefieber

Text und Bilder von: Silke und Jan Neumann (Reiseblog: travelove.org)

Wir sind TraveLove, Jan und Silke Neumann und seit Februar 2018 unterwegs. Unsere Reise ist „open end“ geplant, also ohne Enddatum und das ist auch der einzige Plan. Unsere Reise verläuft spontan und dadurch immer spannend: wir wissen heute nicht einmal, wo und mit welchem Fahrzeug wir in den nächsten Monaten unterwegs sein werden!

Mit Motorrad im Kaukasus und Iran

Angefangen haben wir auf zwei Motorrädern. Nach 1,5 Jahren hatte dann im Sommer 2019 eines der beiden Motorräder einen Motorschaden im Iran. Eine klitzekleine Unachtsamkeit beim Ölwechsel war wohl der Grund. Statt die Reise zu pausieren oder gar zu beenden, haben wir einfach das Fahrzeug gewechselt: während Jan in Armenien die Motorräder eingelagert hat, flog Silke nach Deutschland, um den VW T4 zu holen, der zwar nicht für Fernreisen gedacht war, aber kurzerhand zum Overlanderfahrzeug ernannt wurde. Von der Garage in Krefeld spontan ans Südchinesische Meer. Einfach so! Wir fuhren durch Russland, durch Zentralasien bis nach Tibet, über 5500m hohe Pässe (ohne Probleme übrigens), sieben Wochen durch China und querfeldein über Stock und Stein durch die Wüste Gobi in der Mongolei.

Um den Winter 2019/2020 in Sibirien und der Mongolei bei Temperaturen bis -40°C erleben zu können, gab’s spontan ein paar technische Upgrades für den
Bulli und wir haben „echten Winter“ genossen: eine Magie voll glitzernder Luft, die nichts mit dem zu tun hat, was man in Mitteleuropa so „Winter“ nennt.

Schönheitskur für VW T4 in Almaty

Zur Belohnung für 60.000 km problemlose Reise mit dem ehemaligen Postbus gab’s in Almaty, Kasachstan, eine „Schönheitskur“ für den treuen VW. Während der neue Lack im Februar 2020 noch trocknete, verließen wir mit kleinem Handgepäck Kasachstan für einen Visarun nach Usbekistan, um von dort wieder mit neuen 30 Tagen Aufenthaltsrecht nach Kasachstan zurückzukommen. Tja, und dann kam der Virus und wir saßen erstmal in Usbekistan fest. Die Grenzen waren zu und wir kamen nicht mehr zurück zu unserem VW Bus. Nicht schlimm, denn nachdem wir die 3 Monate Reisepause namens „Lockdown“ in Taschkent gut gebrauchen konnten, flogen wir nach Bulgarien, wo schon unser neues Reisefahrzeug wartete: ein 30 Jahre alter VW Passat Variant, ungesehen online gekauft und über einen Freund dort mit Vollmacht zugelassen! 900€ teuer und nach einem Besuch bei IKEA bereit für die große Fahrt: Matratze, Bettzeug, Küchenkram, fertig war unser neuer Overlander, unser neues Heim auf Rädern! Warum die Reise abbrechen, wenn es doch weiter gehen kann?

Unser Leben passt in zwei Rucksäcke

Warum sich mit Hab & Gut belasten, wenn das Handgepäck völlig ausreicht? Bis heute haben wir unser Gepäck nicht vergrößert und haben jeder nicht mehr, als in einen labberigen Faltrucksack von IKEA reinpasst. Das „Downsizing“ vom VW Bus auf den 30 Jahre alten Passat ist nun 40.000 pannenfreie Kilometer her und der alte „Hans“ hat uns schon bis in den Irak gebracht.

Ja, mit dem Passat in den Irak. Warum nicht?

Für uns ist nicht das Fahrzeug wichtig, sondern dass wir unterwegs sind. Dass wir in unserem „Schneckentempo“ reisen, uns intensiv mit der Kultur unserer Gastländer auseinandersetzen und darin eintauchen und die ausgetretenen Pfade verlassen. Und das geht ohne Allradfahrzeug, denn die Einheimischen haben oft noch klapprigere „Kisten“ als unser treuer alter Passat und kommen trotzdem überall ans Ziel. Auch in der Wüste Gobi, da fährt man übrigens Toyota Prius. Überall. Versprochen.

Wie wir uns finanzieren? Silke arbeitet schon seit 2014 ortsunabhängig als „Digitalnomade“. Sie ist freie „Autorin und schreibt hauptsächlich Fachtexte zu Themengebieten aus ihrem ehemaligen Beruf: Ernährung. Die Reisekasse ist daher niemals leer. Und weil wir meist im Auto schlafen und das mit LPG Umbau keine 3€ auf 100km kostet, stimmt die sogenannte „Work-Life-Balance“ ungemein: wir genießen das Nomadenleben und sehen keinen Grund, damit aufzuhören.

Wie unsere weiteren Reisepläne aussehen? Wir haben keine. Denn als wir in den Irak gefahren sind, waren wir eigentlich auf dem Weg nach Armenien, Motorrad und Ausrüstung abholen, was dort seit mittlerweile zwei Jahren eingelagert ist. Und irgendwie waren wir dann plötzlich im Irak statt in Armenien. So ist das mit unseren Plänen: länger als bis zum nächsten Morgen können wir uns selbst nicht darauf verlassen. Nur ein festes Datum gibt es: am 30. September laufen die Zollpapiere in Armenien ab. Bis dahin müssen wir dort gewesen sein. Mal sehen, was bis dahin noch passiert!

Text und Bilder von: Silke und Jan Neumann (Reiseblog: travelove.org)