teilen

Routenvorschlag 4 Wochen westliches Südafrika

Ein großes Land

Mit ungefähr 1,2 Mio km² ist Südafrika bezogen auf die Landesfläche über dreimal so groß wie Deutschland. Hier im Süden des afrikanischen Kontinents leben gut 60 Millionen Menschen, denn das Land ist an vielen Stellen fruchtbar und bot stets eine gute Ausgangslage für die Besiedelung. Generell finden sich in Südafrika unterschiedlichste Klima- und Vegetationszonen, von den Savannen der Kalahari bis hin zu den subtropischen Wäldern im Südosten an der Grenze zu Mosambik.

Aufgrund dieser Vielfalt und Größe finden wir es nicht empfehlenswert, das ganze Land innerhalb von vier Wochen zu bereisen. Wir möchten hier eine umfangreiche und ehrgeizige Route durch den Westen aufzeigen, die sich aus unserer Sicht für diesen Zeitraum sehr gut eignet.

Reisearten

In Südafrika gibt es zwar ein funktionierendes Netz aus Fernbussen und Zugverbindungen, diese sind aber vor allem für erfahrene Rucksackreisende zu empfehlen, die Zeit mitbringen und kein Problem damit haben, viele etwas abgelegenere Orte nicht oder nur schwer zu erreichen. Wir empfehlen das Reisen per Mietwagen, denn diese sind in Südafrika günstig über die gängigen Anbieter zu bekommen und schenken einem Flexibilität. Hotels, Pensionen und BnBs sind in Südafrika über die gängigen Plattformen einfach zu buchen, so dass sich eine Reise auch hervorragend spontan von unterwegs organisieren lässt. Von Budget-Unterkünften bis hin zum Luxushotel steht dem Reisenden somit alles offen. Wer Camping mag, für den ist die Miete eines 4×4 Campers mit Dachzelt eine gute Idee. Überall gibt es wunderbare Campingplätze mit gepflegten (teils privaten) Bädern an den schönsten Orten. Die Südafrikaner lieben diese Art zu reisen und die Plätze bieten oftmals sehr viel Privatsphäre. Kein Vergleich zu den engen Plätzen, wie man sie vielleicht aus Südeuropa kennt.

Sicherheit und politische Stabilität

Südafrika ist generell ein sicheres Reiseland. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Land ein Kriminalitätsproblem gibt und die politische Lage angespannt ist. Wenn man sich mit Südafrikanern unterhält, gehen diese häufig sehr hart mit ihrem Land ins Gericht, insbesondere was die gesellschaftlichen Spannungen angeht. Man sollte in größeren Städten nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu Fuss unterwegs sein und natürlich zwielichtige Viertel meiden. Die Fahrzeugtüren sollten zu jeder Zeit, auch beim Fahren, abgeschlossen sein. Insbesondere in und um Johannesburg ist Vorsicht geboten! Um es aber in Relation zu setzen: Während der fünf Monate, die wir in Südafrika verbrachten, haben wir nicht eine unangenehme Situation erlebt. Im Gegenteil: Wir hatten unzählige herzliche und inspirierende Begegnungen. In diesem Sinne: Auf nach Südafrika!

Routenvorschlag: Westliches Südafrika

Die Route beginnt in Kapstadt und Umgebung und führt in einer großen Runde im Uhrzeigersinn wieder zurück in die Metropole an der Kap-Halbinsel. Die wichtigsten Stationen sind:

  • Kapstadt und Umgebung
  • West Coast Nationalpark
  • Cederberge
  • Namaqua Nationalpark
  • Augrabies Falls und Upington
  • Kgalagadi Transfrontier Park
  • Graaff Reinet und Valley of Desolation
  • Port Elisabeth und Addo National Park
  • Jeffreys Bay und Garden Route bis George
  • Hermanus und die Weinregion Stellenbosch und Franschoek
  • Rückkehr nach Kapstadt

Beste Reisezeit

Die im Folgenden skizzierte Route kann das ganze Jahr über bereist werden. Im südafrikanischen Sommer zwischen Ende November und Februar kann es in vielen Regionen sehr heiß werden und insbesondere in der Ferienzeit der Südafrikaner um den Jahreswechsel wird es auch sehr voll. Schön und klimatisch angenehm sind die Zeiten des südlichen Frühjahrs (September, Oktober, November) und Herbstes (März, April, Mai).

Kapstadt und Umgebung

Kapstadt, Cape Town – the Mother City. Man sagt, die Stadt ist eine der am schönsten gelegenen Metropolen der Welt. Auf der einen Seite die Table Bay mit dem Ozean, dahinter zwischen dem erhabenen Tafelberg und dem Signal Hill die „City Bowl“. Die Geschichte der Stadt geht zurück auf das Jahr 1652, als der Niederländer Jan van Riebeeck hier eine Versorgungsstation für die Handelsschiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie gründete. Das Klima am Kap ist angenehm und bietet die Grundlage für eine ganz eigene Flora und Fauna.

Der Flughafen Kapstadt ist gut an Europa angebunden und hier beginnt unsere Reise. Kapstadt ist als eine der wenige Metropolen Afrikas wirklich einen Städtetrip wert. Nicht versäumen darf man das farbenfrohe Bo-Kaap, die Waterfront mit ihren Cafés und Geschäften, das Zeitz Museum of Contemporary African Art (MOCAA), Robben Island und den Botanischen Garten in Kirstenbosch. Wer fit ist, kann über den Tafelberg wandern. Unsere Lieblingswanderung führt entlang der Seilbahnroute nach oben und über den Berg hinab nach Camps Bay.

Südlich der Stadt liegt die Kaphalbinsel. Ein Ausflug hierher ist nur komplett mit dem Besuch des Kap der guten Hoffnung und des Cape Point.

Über den West Coast Nationalpark und Paternoster in die Cederberge

Der West Coast Nationalpark liegt an der Küste, ca. 120 km nördlich von Kapstadt und ist bekannt für seinen Vogelreichtum. An der lang gezogenen Bucht kann man im kristallklaren Meer baden und die Orte Langebaan und Paternoster laden zu einem Stopp für leckere Fish & Chips ein.

Die Route führt weiter nördlich und es geht zwischen Citrusdal und Clanwilliam in die Cederberge. Ausgehend vom Sanddrift Holiday Resort beginnt die Tageswanderung zum Wolfberg Arch. Dies ist eine der schönsten Wanderungen in Südafrika mit einem spektakulären Ausblick auf den Felsbogen.

Namaqua Nationalpark, Springbok und Augrabies Falls

Die Fahrt auf der N7 nach Norden wird nun etwas eintöniger und man legt viele Kilometer zurück. Ein Abstecher in den Namaqua Nationalpark lohnt sich vor allem in den Monaten August und September, wo ein Meer aus unzähligen Blüten die sonst eher karge Landschaft überzieht. Die Stadt Springbok eignet sich als Übernachtungsstopp und je nach Zeitbudget, bietet sich von hier aus ein Abstecher an den Orange River im Norden an. Hier kann man hervorragend paddeln.

Knapp 100 km vor Upington zweigt die Straße zum Augrabies Falls Nationalpark ab. Der mächtige Orange River fällt hier auf 150 Metern Breite 56 Meter in die Tiefe. Die Fälle sind bei Hochwasser zwischen Januar und März besonders spektakulär.

Kgalagadi Transfrontier Park

Die Stadt Upington ist die Basis für den Besuch des Kgalagadi Transfrontier Park. Der Park befindet sich auf südafrikanischem und botswanischem Staatsgebiet und wird von der südafrikanischen Nationalparksbehörde Sanparks betrieben. Wenn man mehrere Parks besuchen möchte, kann sich der Kauf einer „Wildcard“ lohnen, die für ein Jahr den kostenlosen Eintritt in die Parks ermöglicht (Kosten und Liste der Parks siehe Sanparks Website). Auf der Website kann man auch die Camps und Unterkünfte im Park vorbuchen, was sich insbesondere in der Urlaubszeit der Südafrikaner anbietet.

Tipp: Wenn ein Camp voll ist, immer wieder auf die Website schauen. Umbuchungen können kurzfristig erfolgen und Plätze werden wieder frei. Uns hat das Nossop Camp sehr gut gefallen.

Der Kgalagadi Transfrontier Park ist ein spektakulärer „Katzenpark“. Zwischen den grasbewachsenen Dünen der Kalahari kann man wunderbar Löwen sichten und wir hatten hier das Glück, sogar einen Karakal zu sehen. Neben den zahlreichen Antilopenarten leben im Park auch Giraffen. Büffel, Elefanten und Nashörner kommen hier in der Savanne der Kalahari nicht vor.

Besucht man den Park in den feuchteren Monaten Dezember bis März, sind viele Jungtiere zu sehen, frisches Gras kann aber die Sicht verschlechtern. Von Mai bis August können nachts die Temperaturen auf um den Gefrierpunkt fallen.

Fahretappe von Upington nach Graaff Reinett und weiter durch die Karoo nach Port Elisabeth

Hier werden zunächst viele Kilometer gemacht, bis man in Graaff-Reinett ankommt. Die kleine Stadt ist herausgeputzt und bietet gute Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants. Die „Groot Kerk“ ist der eindrucksvollste Bau der Stadt und wirklich sehenswert. Etwas außerhalb der Stadt bietet das Valley of Desolation einen schönen Blick auf die Stadt und die sich dahinter ausbreitende Karoo.

Die nächste Etappe führt an die Küste nach Port Elisabeth. Port Elisabeth ist eine freundliche Stadt und das wirtschaftliche Zentrum des Eastern Cape, bietet aber keine herausragenden Sehenswürdigkeiten. Bevor es entlang der Garden Route wieder nach Westen geht, darf ein Besuch des Addo Elephant Nationalpark nicht fehlen.

Addo Elephant Nationalpark

Etwas nördlich von Port Elizabeth gelegen, befindet sich der 1931 gegründete Addo Elephant Nationalpark. Zur Zeit seiner Gründung lebten nur noch elf Elefanten in der Region, heute beherbergt der Park wohl knapp 500 Exemplare und ist damit an der Grenze des ökologisch vertretbaren Maximums. Der Park gilt als „Big Five“ Park und neben den Elefanten kann man noch relativ leicht Büffel und Löwen beobachten. Spitzmaulnashörner werden auch gelegentlich gesichtet, die Leoparden hat aber schon lange niemand mehr gesehen.

Es gibt keinen Park in Afrika, in dem man vergleichbar entspannt Elefanten beobachten kann. Da hier schon lange nicht mehr gewildert wird, zeigen sich die Tiere dem Menschen gegenüber kaum aggressiv und nähern sich oftmals auch dem stehenden Auto. Dennoch ist immer zu berücksichtigen, dass es sich um wilde Tiere handelt, denen man immer mit Respekt und Abstand zu begegnen hat.

Über Jeffreys Bay entlang der Garden Route bis George

Das Städtchen Jeffreys Bay präsentiert sich sympathisch und entspannt. Alles steht im Zeichen des Surfens und wenn man es lernen möchte, ist hier der richtige Ort, um einen Kurs zu belegen. Weiter geht es in westlicher Richtung die Küste entlang und hinein in die Garden Route.

Seit 2009 existiert der Garden Route Nationalpark in seiner jetzigen Form. Er ist der Zusammenschluss unterschiedlicher regionaler Parks zwischen Jeffreys Bay im Osten und George im Westen, die zum Schutz der Urwälder und der wilden Küste angelegt wurden. Der Name „Garden Route“ klingt recht „blumig“, was aber nicht die Realität widerspiegelt: Tatsächlich schützt der Parkt einen der letzten Urwälder Südafrikas und eine atemberaubende, bisweilen wilde Küstenlandschaft. Man kann herrliche (Mehr-) Tageswanderungen unternehmen und im dichten Grün ganz tief durchatmen. Eine Küstenwanderung in Storm’s River Mouth, ein Austernfrühstück in Knysna und die Erkundung des Urwald in Wilderness dürfen bei einem Besuch der Garden Route nicht fehlen.

Durch das Weinland um Franschhoek und Stellenbosch zurück nach Kapstadt

Wer immer noch etwas Zeit hat, sollte von George aus einen Abstecher nach Hermanus machen, denn hier hat man die Chance, zwischen Juli und Oktober Glattwale von der Uferpromenade aus zu sehen. Danach fährt man über den Franschhoek-Pass in das berühmteste Weinland Südafrikas. Das Klima hier ist hervorragend geeignet für den Weinanbau und die Landschaft mit den grünen Weinbergen vor zum Teil schroffen Felsmassiven im Hintergrund, ist beeindruckend. Fast jedes Weingut bietet Weinproben an und man kann sich hier tagelang verwöhnen lassen. Um die Städte Franschhoek, Stellenbosch und Paarl finden sich die meisten Weingüter und Unterkünfte gibt es in allen Preisklassen. Diese Gegend ist der krönende Abschluss einer spannenden Rundreise durch dieses wunderbar vielfältige Land.

 

Und nun heißt es: Genießt die Vielfalt Südafrikas.

Lese-Tipps