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Mustang, eine Reise ins verbotene Königreich Lo

Text und Bilder von Klaus Hessenauer (Reiseblog: trekkingadventure.de)

Unterwegs, Blick nach Süden zum Himalaya Hauptkamm.

„Mustang“ assoziieren viele mit wilden Pferden oder schnellen Autos. Die Wenigsten, auch Weitgereiste, bringen damit ein kleines, ehemaliges Königreich in Nepal, tief im Himalaya in Verbindung.

Die geografische Ausdehnung des ehemaligen Königreiches Lo entspricht den oberen zwei Dritteln (Upper Mustang) des heutigen Distrikts Mustang. Als grenzüberschreitendes
Rückzugsgebiet der Khampas, tibetischer Widerstandskämpfer, war dieses Gebiet lange Jahre für Ausländer verboten. Vielleicht hat sich auch deswegen eine einzigartige, tibetisch geprägte Kultur erhalten.

Die Einwohner nennen ihr Land „Lo“, was so viel heißt wie ‚südliche Ebene’. Sich selber bezeichnen sie als „Lopas“. Für den heutigen Namen „Mustang“ finde ich übrigens keine Erklärung. Die Annahme, dass es sich um eine ungenaue oder auch schlampige Transkription von „Lo Manthang“ (der Hauptstadt) handelt, erscheint mir jedoch plausibel.

Blick ins Kali Gandaki Tal, das Tal der Schwarzen Göttin Kali, oberhalb Chele, erster Tag in Upper Mustang
Längste Mani-Mauer Nepals, ca. 400 m. Nach der Legende der „Darm des Dämonen“

Zu Fuss in faszinierenden Extremen

Dort, jenseits des Himalaya-Hauptkammes verzaubert uns eine Mischung aus arider Hochgebirgswüste und grünen Oasen. Tiefe Canyons wechseln mit bizarren  elsformationen. Blühende Buchweizenfelder setzen reizvolle Kontraste zu vielfarbigen Erosionslandschaften.

Achtzehn Tage sind wir mit dem Rucksack zu Fuß in dieser einzigartigen Welt unterwegs. Unser Weg führt durch die tiefste Durchbruchschlucht der Welt, das Kali Gandaki Tal,
welches den Himalaya-Hauptkamm zwischen Dhaulagiri und Annapurna (beides 8000er) durchbricht, und über mehr als 4300 m hohe Pässe hinauf nach Lo Manthang (3.840 m), der Hauptstadt des früheren Königreiches Lo, nahe der Grenze zu Tibet.

„Tashi Delek“ ruft uns ein entgegenkommender Reiter eines struppigen Ponys zu. „Glück und Segen“ bedeutet der tibetische Gruß. Auf staubigen Pfaden, Spuren eines alten Salzweges von Tibet nach Indien, erwandern wir uns das ehemalige Königreich. Chörten, buddhistische Sakralbauten, haben mit ihren ausladenden Dächern eine ganz eigene
Charakteristik. Uralte Gompas (Klöster) bergen Kunstschätze, tibetische Gebetsfahnen wehen allerorten.

Wir machen einen Abstecher zum Ranchung Cave, welches als eines der wichtigsten Höhlenheiligtümer in Mustang gilt. Hier soll Padmasambhava, der hoch verehrte Guru Rinpoche und Begründer des tibetischen Buddhismus, meditiert haben. Dafür verlassen wir den Hauptweg und steigen über einen halsbrecherischen Pfad in einen tief eingeschnittenen Canyon ab. Nach einem Felsdurchschlupf führt uns ein Pfad zur Meditationshöhle.

„Blutrote Felsen“ nahe Dhakmar
Chörten nahe Tsarang, markiert den Eingang zum Ort

Anreise und beste Reisezeit

Der Ausgangspunkt für den Besuch von Upper Mustang ist die Ortschaft Kagbeni. Die Anreise führt von Kathmandu mit Bus oder Flugzeug nach Pokhara am malerischen Phewa See. Mit einem wetterabhängigen Sichtflug nach Jomsom (2.770 m) kann man bereits am nächsten Tag in Kagbeni (2.804 m) sein. Wir machen diese Strecke von Jomsom nach Kagbeni jedoch in vier Tagen mit einem Mix aus local Bus und Fussmarsch. Nach dieser viertägigen Wanderung das Kali Gandaki Tal hinauf, zwischen dem Annpurna-Massiv östlich und dem Dhaulagirir-Massiv westlich des Tals, kommen wir gut akklimatisiert in Kagbeni an. Wer fliegt, sollte zur Höhenanpassung einen Abstecher nach Muktinath erwägen.

Klimatisch befinden wir uns bereits im Monsunschatten. Das erlaubt auch Reisezeiten im Sommer. Wobei für die Anreise aus Kathmandu Beeinträchtigungen durch den Sommermonsun zu beachten sind. Das gilt insbesondere für die Sichtflüge nach Jomsom, aber auch Straßen können durch Erdrutsche kurzfristig unpassierbar sein. Die Winter sind kalt, fünf Monate liegt Schnee, sodass immer mehr Lopas es vorziehen, im Süden Nepals oder auch in Indien zu überwintern. Als beste Reisezeit empfehle ich jedoch die Monate März/April, sowie September/Oktober.

Teilstrecke mit dem local Bus im Kali Gandaki Tal
Canyon und Hängebrücke nach Ghyakar

Blutige Sagen und Mythen

Bei Ghemi finden wir die längste Mani-Mauer Nepals. Mani-Steine sind Steintafeln, in denen Gebete, Mantras, graviert oder gehauen sind. Um die Entstehung dieser Mani-Mauer rankt sich, wie so oft, eine Legende, die tief im religiösen Bewusstsein der Menschen verankert ist. Guru Rinpoche, soll hier mit einem Dämon um die Errichtung eines Klosters gerungen haben. In einem blutigen Kampf hat er, der Überlieferung zufolge, den bösen Geist besiegt, ihm die Eingeweide herausgerissen und sein Herz  davongeschleudert.  Dort, wo dieses gefunden wurde, steht heute das in der Legende errungene Kloster Ghar Gompa in Lo Gekar. Das Blut hat nach der Legende die umliegenden Felsen bis nach Dhakmar rot gefärbt und aus dem Darm des Dämons soll die lange Manimauer entstanden sein. Etliche große Chörten zu Ehren Padmasambhavas stehen in der Nähe und scheinen der Verwitterung preisgegeben zu sein. Es ist eine fast unwirkliche Szenerie.

Angekommen in der von Mauern umschlossene Hauptstadt Lo Manthang erleben wir bleibende Eindrücke der mystischen Klöster der Sakya Schule, spirituellen Orte und Begegnungen mit liebenswürdigen Menschen.

Viel zu schnell verging das enge zehntägige Zeitfenster des Permits. Wir beendeten die Reise inspiriert von dem, was wir gesehen hatten und mit dem Gefühl wiederkommen zu wollen, um das Erlebte zu ergänzen und zu vertiefen.

Das Dorf Ghyakar mit blühenden Buchweizenfeldern

Infobox

Reiseinformationen

Zur Einreise nach Nepal ist ein Visum erforderlich. Entweder bei der Botschaft bzw. den Konsulaten erhältlich, oder „on Arrival“. Aktuell (Stand Ende November ’21) ist ein PCR Test sowohl für die Ein- als auch für die Ausreise erforderlich (nicht älter als 72 Std.). Zusätzlich ist vor Abflug online ein sog. CCMC-Formular auszufüllen und der damit generierten Barcode bei Check-in als Ausdruck oder Screenshot vorzuweisen. Für ungeimpfte gelten weitere Auflagen wie z.B. 10 Tage Quarantäne.

Generell sollte man die Einreisemodalitäten wie Impfung, Test, Quarantäne aktuell und zeitnah zur Anreise abklären. Aktuelle Infos auf der Website des Auswärtigen Amtes Deutschland.

Für Mustang ist ab Kagbeni ein Permit erforderlich 500 US$ für 10 Tage danach US$ 50 je Tag außerdem Annapurna Conservation Area Eintritt 3000 NRS (ca 22 €) Es besteht eine Pflicht für einen lizenzierten Guide.

Übernachtungen und Verpflegung sind in einfachen Lodges, landestypischen Gasthäusern möglich.

Chörten unterwegs. Diese buddhistischen Sakralbauten bergen oft Reliquien oder die Asche hoher Lamas
Kloster und Tempel (Gompa) in Tsarang

Text und Bilder von Klaus Hessenauer

Reiseblog: trekkingadventure.de
E-Mail: klaus.hessenauer@web.de

Klaus ist auch Autor zweier Bücher zu Nepal: