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Das erste Mal in Schweden

Von TRAVELIKI-Mitgliedern Heike und Matthias Pfeifer (Reiseblog: nordlandcamper.de)

Plant ihr den ersten Schwedenurlaub? Dann haben wir hier ein paar interessante Tipps für euch.

Land und Leute!

Schweden ist riesig! Nehmt euch also nicht zu viel auf einmal vor. Der Süden ist dicht bevölkert und von Landwirtschaft gepägt. Darauf folgen als Hotspots die beiden größten Seen Vänern und Vättern sowie das Paddlerparadies Dalsland. Im Westen, oberhalb von Göteborg ist die spektakuläre Schärenküste von Bohuslän einen Besuch wert. Große Wälder prägen die Landschaft um den Siljan-See, die Region wird auch gerne als das «typische Schweden» bezeichnet. Nordwestlich, Richtung norwegische Grenze liegen mehrere herrliche Naturreservate und Nationalparks, ein Paradies für Outdoor-Liebhaber: sverigesnationalparker.se/de. Die Möglichkeiten in den Skiregionen Idre und Åre sind schier grenzenlos.

Der riesige See Storsjön mit Östersund, der größten Stadt im Inland von Nordschweden (trotzdem erst etwa die Mitte Schwedens…) markiert endgültig die Grenze zu Lappland. Keinesfalls verpassen solltet ihr die Höga Kusten an der Ostküste. Subarktische Landschaften prägen ab jetzt zunehmend das Bild. Nordischer Wald bis zum Horizont, tiefe Seen, große Moore, Tundra. In den höhergelegenen Fjällregionen lediglich noch Flechten, Moose, gedrungene Bäumchen und plätscherndes Wasser.

Die Schweden selbst sind zurückhaltend, freundlich und hilfsbereit. Fast jeder spricht Englisch, vor allem im Norden ist das «Outdoorliv» eine Lebenseinstellung.

Extrem wichtig ist den Schweden «Fika», die Kaffeepause, meist genossen mit einer Kanelbulle (Zimtschnecke). Sehr beliebte Gerichte sind auch Köttbullar (sprich: «Schöttbullar»), Krebse und Waffeln. Gewöhnungsbedürftig sind schwedische Brotprodukte und Würstchen.

Reisearten

Am flexibelsten seid ihr mit einem Camper, Wohnwagen oder Dachzelt-PKW, gerade um die großen Distanzen rasch überbrücken zu können. Aufgrund der guten Infrastruktur sind aber auch Backpacking-Reisen mit Bus, Bahn und Inlandsflügen oder Bike-Packing problemlos möglich.

Beste Reisezeit für Schweden

Für uns ist die beste Reisezeit August/Anfang September. Die Mücken sind schon auf dem Rückzug, die schwedischen Sommerferien enden Mitte August und die Campingplätze leeren sich. Es ist noch ausreichend warm und sonnig.

Zahlungsmöglichkeiten, Handy und Internet

10 SEK sind etwa 1€ (Stand Oktober 2021). Bargeld mit in den Urlaub zu nehmen ist unnötig. So gut wie alles, auch kleinste Beträge, werden «med Kort» bezahlt. EC- oder Kreditkarte sowie Apple-Pay funktioniert flächendeckend. Das Handynetz ist landesweit hervorragend ausgebaut, meistens gibt´s Internet über LTE auch in abgelegenen Gebieten, manche Nationalparks im Norden sind aber kritisch. Wieviel GB euer Handyvertrag im Ausland hergibt, solltet ihr vorher eruieren.

Top Tipp: Bei der Überfahrt mit der Fähre nach Schweden unbedingt Datenroaming in Mobilgeräten deaktivieren, sonst loggt sich das Gerät nach Verlassen des Festlandes irgendwann in «Internet at Sea» ein, macht ein paar Updates und ihr seid knapp 60€ los, bevor die Verbindung automatisch gekappt wird.

Straßen und Vorankommen

Die Schweden fahren sehr zurückhaltend. Ist man mal aus den großen Städten raus, nimmt der Verkehr rasch stark ab und man kommt entspannt vorwärts. Mit Tieren auf der Straße ist immer – vor allem Nachts – zu rechnen! Das Tempolimit ist meist 70-80 km/h, auf wenigen Autobahnen darf auch 100 km/h gefahren werden. Es gibt sehr viele, aber immer vorher angekündigte stationäre Blitzer. Biegt man von den Bundesstraßen ab, hat man sehr schnell einspurige „Gravelroads“ unter den Rädern, die zwar meist auch gut zu befahren sind, aber auch in einer üblen Waschbrettpiste mit großen Schlaglöchern enden können. Es kommen immer wieder Ausweichbuchten, die durch Schilder mit einem weißen „M“ auf blauem Grund gekennzeichnet sind.

Tipp: Schwedische Straßen sind nahezu komplett mit Google Maps abfotografiert. Schaut Euch vorher dort den Straßenzustand an. Ist eine Straße nicht abgefilmt, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine kleine „Gravelroad“. Wer darauf keine Lust hat, sollte woanders lang fahren.

Sprit, Adblue und Gas

Diesel ist in Schweden teurer als Super, die Preise liegen meist etwa 10-20% über den in Deutschland üblichen (1l Diesel im Sommer 2021 etwa 1,70€). Höhere Preise an den Autobahntankstellen sind nicht üblich wie in Deutschland, der Spritpreis kann aber regional stark schwanken. Das Tankstellennetz ist gut ausgebaut, wird aber im Norden dünner. Man ist dort gut beraten, ab 50% Tankfüllung nach der nächsten Tankstelle Ausschau zu halten. Viele Tankstellen sind personallos und es kann bequem per EC- oder Kreditkarte vor dem Tankvorgang am Automaten gezahlt werden. Die Abgabemenge ist dann aber oft auf 80-100€ limitiert. Wer LPG für seinen Gastank benötigt, findet ein wesentlich dünneres Netz als in Deutschland vor und sollte etwas vorplanen. Einen Überblick über die LPG-Tankstellen gibt’s bei myLPG.eu. Man benötigt in Schweden den sog. «Italien-Adapter» für den LPG-Tankvorgang. Die Preise für LPG liegen meist 50% über denen in Deutschland. AdBlue ist überall zu finden, findadblue.com bietet Orientierung.

Übernachten

Schweden ist voll mit herrlichen Camping- und Stellplätzen, etwas zu finden ist einfach. Für eine Übernachtung im Camper auf einem Stellplatz kann man etwa 10-15€/Nacht, auf einem Campingplatz 20-30€/Nacht rechnen. WLAN ist meist inklusive. Viele Plätze bieten auch kleine Hütten zur Übernachtung an und liegen landschaftlich reizvoll am Wasser.

Durch den zunehmenden Campingboom ist vor allem der Süden des Landes mit „No Camping“-Schildern gepflastert. Die Verbote werden durch die Polizei auch durchgesetzt, Verstöße sind teuer.

Das häufig angeführte „Jedermannsrecht“ bezieht sich lediglich auf eine Übernachtung im Zelt, nicht jedoch auf Fahrzeuge. Seht also mit einem Camper davon ab, auf privatem Grund zu übernachten ohne den Besitzer gefragt zu haben und achtet Verbotsschilder.

Im nördlichen Schweden, etwa ab oberhalb des Siljan-Sees, wird es zunehmend einsamer und einen Platz in der Natur zum Freistehen zu finden wird einfach. Auch hier sind Google Maps und Apps wie „Campercontact“ oder „Park4Night“ sehr hilfreich.

Lagerfeuer

Beachtet die lokalen Verbote im Sommer (Waldbrandgefahr), nutzt nur vorbereitete Feuerstätten oder Feuerschalen und macht niemals Lagerfeuer direkt auf den Schären (zerstört die tollen Steine nachhaltig). Feuerholz wird an vielen Stellplätzen im Norden vorgehalten und ist im Preis inklusive.

Frischwasser und Toilettenentsorgung

Viele Stellplätze und natürlich die Campingplätze bieten alles an, was des Campers Herz begehrt. Entlang der großen Straßen findet man immer wieder an Rastplätzen Frischwasserhähne (meist außen am rot angestrichenen Toilettenhäuschen montiert) und Entsorgungsmöglichkeiten für die Chemietoilette. Im Internet kursiert die zuletzt 2016 aufgelegte „Rastplatskartan“ als PDF, in der alle Servicestellen auf einer Schwedenkarte übersichtlich dargestellt sind, die aber leider nicht mehr von offizieller Seite zur Verfügung gestellt wird (den Downloadlink findet ihr auf unserer Webseite nordlandcamper.de). Ein „Wasserdieb“ im Gepäck kann in sehr entlegenen Regionen manchmal hilfreich sein.

Sehr viele Gewässer in Schweden haben Trinkwasserqualität. Da man aber auch oft in Moorgebieten unterwegs ist, hat das Wasser eine bräunliche Farbe und schmeckt „würzig“. Auf dem Trail oder mit dem Kanu nutzen wir daher oft einen mobilen Wasserfilter, dann müssen wir nicht so viel Frischwasser mitschleppen und fühlen uns mit dem gefilterten Wasser auch einfach sicherer.

Angeln

Schweden=Anglerparadies. Einen Angelschein wie in Deutschland braucht man nicht, wohl aber eine Tages- oder Wochenkarte für die meisten Gewässer. Kinder bis 16 brauchen meist gar keine Karte. Auch für das Angeln im Meer und in den fünf größten Seen (Vänern, Vättern, Mälaren, Hälmaren, Storsjön) ist keine Karte nötig. Für die anderen Gewässer bekommt man Karten in der Touri-Information, Tankstellen, Campingplätzen, in Fachgeschäften oder über die App „iFiske“, oft sind die Preise sehr günstig (5-10€/Tag).

Tierbegegnungen

Elch, Rentier, Vielfraß und Braunbär können mit viel Glück in der Natur beobachtet werden. Wer das nicht will, sollte sich laut unterhalten, dann werden die Tiere einen Bogen um euch machen. Viele Vogelarten bis hin zum Seeadler lassen sich gut per Kanu spotten (z.B. im Färnebofjärden-NP). Die Top-Braunbärenregionen liegen in Härjedalen und Jämtland, hier gibt es tolle Nationalparks wie Hamra oder Sonfjellet, in denen die Raubtiere häufig vorkommen. Sich vorher über das Verhalten bei Begegnungen zu informieren ist aber Pflicht. Im Norden laufen Rentiere oft in riesigen Rudeln übers Fjäll – ein tolles Erlebnis.

 

Von TRAVELIKI-Mitgliedern Heike und Matthias Pfeifer (Reiseblog: nordlandcamper.de)

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