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Das erste Mal in Namibia

Nach vielen Jahren um den halben Globus überqueren wir nun von Südafrika her den Namibischen Zoll und mit ihm den Oranje River, der die natürliche Grenze dieser beiden Staaten bildet. Sofort verändert sich die Landschaft. Namibia ist ein Wüstenstaat, dessen Charme sich nicht auf den ersten Blick erschliesst. Es ist die unglaubliche Weite, die karge Landschaft, die uns fasziniert. Hat sie doch etwas Verführerisches wie Beängstigendes zugleich. Wir fühlen uns von der Welt abgeschnitten, fast wie auf einem andern Planeten. Es ist eine lebensfeindliche aber dennoch faszinierende Landschaft.

Unser erstes Ziel ist der Fish River Canyon. Er ist eine der grössten Schluchten der Welt am Südrand Namibias, nahe der Grenze zu Südafrika. Leider können wir die Trekkingtour zum Talgrund nicht begehen, da sie bis Ende April noch geschlossen ist. In dieser Zeit kann der Fisch Fluss plötzlich Hochwasser führen und in der Vergangenheit wurde das etlichen Touristen schon zum Verhängnis.

Somit bleibt uns keine andere Wahl, als bei Temperaturen von 43°C im Schatten (doch hier gibt es weit und breit keinen Schatten) entlang der Abbruchkante eine Wanderung zu unternehmen. Immer wieder bleiben wir stehen und lassen das einzigartige Panorama auf uns einwirken. An den mächtigen Gesteinsschichten des bis zu 550 Meter tiefen Canyons lassen sich Jahrmillionen Erdgeschichte ablesen.

Auf dem Weg zum Oranje Fluss tut sich uns eine wunderbare Landschaft auf. Vollkommen einsam rollen wir auf guter Schotterpiste mit vereinzelten Sandpassagen an eigentümlichen Felsgebilden vorbei. Eindrucksvolle Akazien und Köcherbäume ranken sich in den stahlblauen Himmel und rötlicher Fels türmt sich zu imposanten Hügeln auf. Vereinzelt huschen Strausse über den flimmernden Sand.

Irgendwo in dieser arkadischen Landschaft biegen wir links ab und beziehen unser Nachtlager direkt am Oranje Fluss. Unsere Nachbarn, die Kormorane, lassen nach erfolgreichem Beutezug ihre Flügel an der wärmenden Sonne trocknen und mit dem Beginn der Abenddämmerung fliegen Dutzende von Glühwürmchen an uns vorbei. Eine himmlische Ruhe liegt über dem Land.

Jede Minute tauchen mehr Sterne am mondbeleuchteten Himmel auf, als hätte sie jemand angeknipst. Über uns strahlt die Milchstrasse, das Sternbild des Orion und das Kreuz des Südens sind regelrecht in den Himmel gemeisselt.

Die höchsten Dünen der Welt

Drei Tage später erreichen wir Sossusvlei, eine von Sanddünen umschlossene beige Salz-Ton-Pfanne. Pünktlich um sechs Uhr öffnet das Gate und wir gehören zu den Ersten, die zu den Dünen losbrausen. Bevor die unbarmherzig steigende Sonne jede Bewegung zur Tortur ausarten lässt, wollen wir den Sonnenaufgang von den Dünen aus erleben.

Die letzten Kilometer Sandpiste sind selbst für unseren kampferprobten Suri, unseren Toyota Landcruiser, eine harte Nuss. Er bockt wie ein wildgewordenes Impala in den kniehohen Sandrinnen und hoppelt heftig über Bodenwellen. In unserer Wohnkabine tanzen die Teller und Gläser lautstark einen Rock’ n Roll und wir ziehen eine endlose Staubfahne hinter uns her. Wenn man hier bremst hat man schon verloren und bleibt stecken. Doch wozu haben wir einen 4×4 mit Untersetzung und Sperrdifferenzial? Als Alternative könnte man auch den parkeigenen Shuttleservice benutzen, doch wer das Abenteuer liebt, fährt mit dem eigenen Auto.

Als die ersten Sonnenstrahlen das Sossusvlei erhellen ist das Panorama einfach berauschend. Surreal wirkende, scheinbar abgestorbene Baumstämme, stehen inmitten des trockenen Salzsees. Orange glitzernde Sandwälle im Kontrast zu den grüngelben Kameldornbüschen machen das Ganze geradezu märchenhaft.

Lange sitzen wir einsam auf einer Sanddüne, beobachten eine einzelne Oryxantilope, hier auch Gämsbock genannt und lassen uns von der Sonne die Morgenkälte vertreiben.

Im Reich der wilden Tiere

In den letzten Jahren ist Namibia, die einstige Kolonie der Deutschen, zu einem viel besuchten Reiseziel geworden. Deshalb sind die Hotspots von Oktober bis Dezember oft überlaufen. Oä)

Wir befinden uns im 300 Kilometer langen und 110 Kilometer breiten Etosha-Park. Auf unserem Weg sind wir weniger von der Landschaft als von der Allgegenwart der Tiere beeindruckt. Dutzendfach sehen wir die unterschiedlichsten Antilopenarten, Streifengnus, Oryx, Mangusten, Warzenschweine, Paviane sowie die breit gestreiften und weisser Schwanzspitze ausgestatteten Schakale. Die halbe Arche Noah versammelt sich rund um die eigentliche Etosha-Pfanne im Osten des Parks.

Am nächsten Tag sind wir noch keine 20 Kilometer gefahren, da liegt der Hauptdarsteller Afrikas herzhaft gähnend und perfekt getarnt neben der Straße. Für einen kurzen Moment sind im hohen Savannengras nur die beeindruckenden Reißzähne dieses beeindruckenden Löwenmännchens zu sehen. Langsam steht er auf. Er ist kaum zu sehen im honiggelben Gras. Der Anblick hat etwas Erhabenes, etwas Majestätisches. Kurz reckt er seine Nase in den Wind und sein Blick schweift durch die ausgedörrte Weite, bevor er sich wieder seiner Lieblingsbeschäftigung hingibt: dem Dösen.

Wir halten an, quetschen uns durch die Öffnung der Führerkabine in unser Wohnquartier und machen erst mal Frühstück mit einer Aussicht, die schöner nicht sein könnte. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand schauen wir dem Spektakel vor unserer Haustür genüsslich zu.

Plötzlich kommt Bewegung in seine Partnerin. Gespannt taxiert die Löwendame einige Springböcke, die in der Ferne grasen. Wie eine Feldherrin überblickt sie die Ebene auf der Suche nach Beute, doch ihre Zeit ist noch nicht gekommen. Es ist eindeutig noch zu heiß. Das grausame Spiel der Natur – Antilope frisst Gras, Raubtier frisst Antilope – wird noch aufgeschoben.

Es hat etwas Würdevolles, diese Tiere so nahe zu beobachten. Mehr als eine Stunde lang betrachten wir die Löwen aus nächster Nähe, bis es weitergeht. Wir holpern durch trockene Wasserläufe, die Reifen knirschen über den staubtrockenen Schotter und unser Fahrrad scheppert am Hinterteil des Suri. Unser ganz gewöhnlicher Alltag.

Reisehinweise für Namibia

Im Grossen und Ganzen – im Gegensatz zum übrigen Afrika – ist Namibia ein einfach zu bereisendes Land. Doch einige Hinweise sollte man trotzdem beachten.

Wann ist die beste Reisezeit?

Die touristische Hauptsaison ist von Oktober bis Dezember. Da herrschen tagsüber Temperaturen von bis zu 35 Grad und auch nachts ist es sehr warm.

Wir bevorzugen den namibischen Winter von Ende April bis Ende September. Es ist kurz nach der Regenzeit und da geht es ruhiger zu und her. Je nach Region herrschen tagsüber angenehme Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Zudem trocknen viele Wasserstellen aus, so dass sich die Tiere an den wenigen verbliebenen in grosser Zahl versammeln.

Braucht man ein Visum?

Schweizer und Deutsche können bis zu 90 Tagen pro Jahr  ohne Visum einreisen. Ein gebührenfreier Einreisestempel (Visitors Entry Permit) wird bei Ankunft an allen offiziellen Grenzübergängen erteilt.

Fahren auf namibischen Strassen

Achtung, es herrscht Linksverkehr. Es gibt etwa 5`000 km Teer- und etwa10 mal mehr Schotterstraßen, sowie Pisten für die Farmen.

Auf den Schotterstraßen sollte man sich nicht durch die zeitweilig gute Oberfläche täuschen lassen und grundsätzlich nicht schneller als 80 km/h fahren. Die Bodenhaftung ist immer begrenzt, was sich an den vielen verrosteten Autowracks am Wegesrand zeigt.

Generell sollte man nur bei Tageslicht fahren. In der Dämmerung blendet die tief stehende Sonne und die Tiere sind um diese Tageszeit besonders aktiv. Die Wegunebenheiten sind schlecht zu erkennen, Hindernisse nicht einzuschätzen, und die Tiere am Wegesrand übersieht man unter Umständen komplett.

Finanzen

Namibias Währung ist der Namibia Dollar (N$). Derzeit entspricht 1€ ungefähr N$ 17. Der südafrikanische Rand (ZAR) wird auch in Namibia akzeptiert, jedoch nicht umgekehrt. Er hat den gleichen Wert wie der N$, hat also eine Umrechnung von 1:1.

  •  Für die Miete eines 4×4-Geländewagen mit Dachzelt und Campingausrüstung muss man etwa 80-130 Euro pro Tag einberechnen.
  • ein Campingplatz kostet etwa 15 bis 40 Euro pro Nacht
  • oder eine Übernachtung in einer Lodge 60 bis 120 Euro pro Person.

Impfungen

Bei einer direkten Einreise aus der Schweiz oder Deutschland sind keine Impfungen vorgeschrieben. Als Reiseimpfungen empfehlen wir bei einem längerem Aufenthalt Hepatitis A,  Hepatitis B, Typhus und Tollwut. Ein hohes Malariarisika besteht ganzjährig im Norden und Nordosten des Landes, speziell im Caprivi Streifen.

Da wir uns über eine längere Zeit in Malaria Gebieten aufgehalten haben, entschieden wir uns für Doxycyclin. Dieses Breitbandantibiotikum ist zur Prophylaxe der Malaria tropica in Gebieten mit Multiresistenzen geeignet und wird ebenfalls von der WHO für einige Regionen in Afrika empfohlen.

Sicherheit!

Grundsätzlich ist Namibia ein sicheres Land. Doch je nachdem wo man sich bewegt, befindet man sich ständig zwischen Erster und Dritter Welt, zwischen Wohlstand und Armut, zwischen heiler Welt und einer Welt ohne oder wenig Hoffnung.

Auch Windhoek, die Hauptstadt Namibias macht da keine Ausnahme. Die hohe Arbeitslosigkeit unter den schwarzen Bevölkerungsschichten betrifft auch den Reisenden. Vermehrt kommt es zu Diebstählen und Autoeinbrüchen.

Noch vor ein paar Stunden waren wir im Shoppingcenter hier in Windhoek einkaufen. Über Lautsprecher wurden die Kunden vor Handtaschendieben gewarnt, die ihr Unwesen treiben würden. Plötzlich Gekreische! Ein Schwarzer flitzt an mir vorbei und dahinter ruft eine ältere Frau: »Haltet den Dieb, er hat meinen Geldbeutel geklaut!« Die Leute von der Securitas spurten dem Schwarzen hinterher, quer durch die Mall. Ob sie den Dieb erwischt haben…?

Hier in Afrika, wo der Wohlstand unmittelbar auf die Armut trifft, ist das soziale Gefälle stark sichtbar. Läden mit Rolex-Uhren sowie Gucci-Handtaschen und vor dem Schaufenster ein paar Schwarze, die genau wissen, dass sie sich so was nie im Leben werden leisten können. Natürlich ist jeder Diebstahl falsch und muss geahndet werden, doch wie würden wir reagieren, wenn wir an ihrer Stelle wären, ohne jegliche Perspektive? Nicht wissend, wie man den nächsten Tag über die Runden bringen soll?

Natürlich haben auch wir in Europa unsere Probleme, vermehrte Kriminalität, Flüchtlingswellen und so weiter, doch meistens klagen wir auf einem sehr hohen Niveau im Verhältnis zu anderen Ländern.

Darum genießt jede Minute eures Lebens, macht das Beste daraus und lässt euren Wünschen und Träumen freien Lauf.

Das Reizvollste an einer Reise wie dieser ist die unbegrenzte Selbstbestimmung, sich nicht rechtfertigen zu müssen, einfach das zu tun, was man möchte. Dabei erkennt man schnell, dass vieles einfacher ist, als man denkt, und dass das Leben kein geschriebenes Buch ist – es ist einfach das, was man daraus macht. Wish it, dream it, do it.

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