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Corona Rettungsaktion – die Rückholung unseres Autos aus Saudi-Arabien

Text und Bilder von Dagmar und Oliver Neumann (Reiseblog: goneforadrive.com)

DIE HERAUSFORDERUNG: WIR SIND IN DEUTSCHLAND UND UNSER AUTO IN SAUDI-ARABIEN. ES SOLL ZURÜCK, WEGEN CORONA DÜRFEN WIR ABER NICHT INS LAND.

Eigentlich war geplant im Frühjahr 2020 von Saudi-Arabien in den Sudan überzusetzen und der afrikanischen Ostküste entlang nach Süden zu reisen. Doch Corona liess uns in Saudi-Arabien stranden und eine Weiterreise war unmöglich. Also entschieden wir im April 2020 unser Fahrzeug stehenzulassen und nach Deutschland zurückzufliegen. Zu dem Zeitpunkt dachten wir noch, die Reise in einigen Monaten fortsetzen zu können.

Abschied in Saudi-Arabien: unser Auto bleibt, wir fliegen nach Hause.

Nachdem auch Monate später keine Änderung in Sicht ist, beschliessen wir, wieder sesshaft zu werden und zu versuchen, unser Auto zurückzuholen.

Die Zollproblematik

Unser Fahrzeug steht nun seit zehn Monaten in Saudi-Arabien, was zu einem sehr teuren Problem werden kann. Drei Monate sind erlaubt, bleibt es länger, muss es importiert werden, wobei Zollgebühren und Steuern anfallen. Wird der Verbleib im Land nicht rechtzeitig gemeldet, können zusätzlich Strafzölle verhängt werden. Wir hoffen, dass der Zoll wegen der Ausnahmesituation beide Augen zudrückt und versuchen, das Auto ab Jeddah nach Hause zu verschiffen. Am liebsten in einem geteilten Container zusammen mit Freunden, deren Fahrzeug neben unserem steht.

Der erste Versuch…

… scheitert nach vier Monaten Organisationszeit im April 2021, als uns der Agent kurz vor der geplanten Abfahrt des Schiffes mitteilt, dass er nicht sicher sagen könne, ob „sein Mann“ beim Zoll Dienst haben würde und die Autos wirklich aufs Schiff kämen. Das klingt uns zu sehr nach ungeschickter Bestechung, worauf wir den Deal abblasen.

Der zweite Versuch…

… über eine andere Agentur soll den offiziellen Weg mit einer Zollvollmacht gehen. Es sieht zunächst vielversprechend aus. Das Angebot einer gemeinsamen Verschiffung ist attraktiv.

Aber der saudische Zoll verlangt, dass wir die Vollmacht persönlich vor Ort unterzeichnen. Weitere Monate später und nach Intervention eines einflussreichen Scheichs klappt es zwar mit der Vollmacht auch ohne persönlichen Besuch unsererseits.

Doch nun schlägt Corona erneut zu. Die Preise in der internationalen Cargo-Schifffahrt sind explodiert. Steigerungen von bis zu 400% werden notiert. Das erste Angebot wird von der Reederei nicht bestätigt und zu guter Letzt – es ist mittlerweile Mitte August – wird uns die Verschiffung für 9.400 USD je Fahrzeug angeboten. Jeweils in einem eigenen Container, da der saudische Zoll unüblicherweise eine gemeinsame Verschiffung ablehnt.

Der dritte Versuch…

… ist ungewöhnlich und wir glauben nicht daran, dass er umsetzbar ist. Die Firma, mit der wir den dritten Versuch organisieren, hat in Dubai ein Büro und kann von dort zuverlässig Optionen zu akzeptablen Preisen anbieten. Auch ein Container kann geteilt werden. Also versuchen wir, den Transport der Fahrzeuge von Saudi-Arabien nach den Vereinigten Arabischen Emiraten zu organisieren.

Ein befreundeter Emirati bietet seine Hilfe an, um ein Transportunternehmen zu finden, welches beide Autos über 2.000 Kilometer durch die Wüste und über die  Landesgrenze bringen kann. Der Grenzübergang stellt wegen des Zolls die größte Hürde dar. Unser Freund führt etliche Telefonate, lässt Beziehungen spielen und gibt am Schluss grünes Licht: „Es sollte funktionieren, die Autos über die Grenze zu bekommen.“

2000 Kilometer durch die Wüste

Und dann ist es tatsächlich so weit. Nach eineinhalb Jahren im Land und fast zehn Monaten Organisationszeit fahren zwei Transporter in Jeddah los Richtung Dubai.

Zwei Tage später der Grenzübergang. Wir sind nervös, ob die Fahrzeuge problemlos ohne uns und nach der langen Zeit, die sie nicht legal in Saudi-Arabien waren, außer Landes gebracht werden können. Elf Stunden dauert es – dann die Erfolgsmeldung: es ist geschafft. Uns fällt ein Riesenstein vom Herzen. 14 Tage später findet schliesslich die Verschiffung statt.

Geschafft!

Nach weiteren 30 Tagen ist die Odyssee geschafft – in Bremerhaven dürfen wir unser Fahrzeug entgegen nehmen – unvorstellbar verdeckt, aber unversehrt. Nach dem Tausch der Starterbatterie springt es problemlos an und fährt die 500 Kilometer ohne Murren nach Hause.

Jetzt freuen wir uns auf die nächsten Touren, auch wenn die erst einmal etwas kleiner ausfallen werden.

Text und Bilder von Dagmar und Oliver Neumann

Reiseblog: goneforadrive.com
E-Mail: team@goneforadrive.com