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Begegnung mit den Himbas im Kaokofeld

Die Himbas leben im einsamen, nordwestlichen Teil Namibias. In diesem unerschlossenen und weitestgehend menschenleeren Gebiet konnte dieses Volk ihren traditionellen Lebensstil bis heute bewahren. Die Himbas sind Nomaden und leben als Viehhirten.

Wir übernachten nördlich von Opuwo auf einem kleinen Campingplatz im Busch. John, ein Himba, der zusammen mit seiner Familie den Camping betreibt, will uns am nächsten Tag zum Nomadendorf führen, da wo er aufgewachsen ist. Wir befinden uns mitten im Kaokoveld, beim Volk der Himbas. Es gibt nicht mehr viele von ihnen, man spricht von etwa 10.000 Menschen. Dieser urzeitliche Volksstamm hält an ihrer alten Tradition fest und lebt wie einst ihre Vorfahren.

Wir warten außerhalb ihres kreisrunden angelegten Dorfes, das mit einem palisadenartigen Gestrüpwall umgeben ist, mit unseren Gastgeschenken aus Mais, Zucker und Kautabak, bis der Dorfälteste seine Zustimmung gegeben hat, dass wir sein Camp besuchen dürfen. Wir müssen beachten, dass wir nicht zwischen den Hütten hindurchlaufen und uns nicht dem heiligen Feuer von hinten nähern dürfen. Wir begrüßen die Anwesenden freundlich mit Moro-moro, was so viel wie Grüezi heißt und werden danach in die Gepflogenheiten ihrer Kultur eingeweiht.

Die Himbas sprechen grösstenteils Bantu, so wie auch die Herero, der Volksstamm, zu dem sie einmal gehörten. Die Herero sind im 16. Jahrhundert nach Namibia eingewandert. Davon hat sich  eine kleine Gruppe von ihnen, die sich danach Himbas nannte, nach einem Streit abgegrenzt. Die Erwachsenen zogen sich sogar die vier Frontzähne, damit sie nicht mehr so sprachen wie die verhassten Stammesbrüder, erklärt uns John, der uns stolz seine eigene Zahnlücke zeigt.

Die Männer verbringen die meiste Zeit mit den Rinderherden, ihrem wichtigsten Besitz. Die Kinder müssen die Ziegen hüten.

Himba-Frauen legen aufgrund ihrer Tradition und Kultur großen Wert auf ihre Haartracht, Schmuck und Kleidung. Wenn sie eine Krone aus Fell und Leder als Kopfschmuck tragen, erkennt man sie als verheiratete Frauen. Sie reiben sich eine Paste aus zerriebenem Ocker, Kräutern und Butterfett auf ihre Haut, um sie vor der Sonne und Austrocknung zu schützen. Erwachsene Frauen flechten ihr Haar zu vielen kleinen Zöpfen. Diese reiben sie mit einer speziellen Paste ein, verzieren das Ganze mit Leder und am Schluss schaut unten noch ein keckes Haarbüschel heraus.

An der Haarpracht ist abzulesen, in welcher Lebensphase die Himba Frau sich befindet. Bei den jungen Mädchen wachsen zwei Zöpfe vom Hinterkopf in die Stirn. Wenn die Zöpfe so weit ins Gesicht hängen, dass sie hinter die Ohren zurückgesteckt werden, sind die Mädchen im Alter der ersten Menstruation.

Die Himbas, Männer wie Frauen, tragen stolz als Halsschmuck große, sehr massive Reifen. Die Frauen tragen eine Kette mit dem symbolträchtigen Schmuck einer großen Meeresschnecke (Ohumba) von der Westküste. Die Ohumba hängen zwischen den Brüsten an langen Lederschnüren und sind mit Eisen und Holzperlen verziert. Der Meeresschneckenschmuck gilt als sehr kostbar und wird oft über Generationen von Mutter zu Tochter vererbt.

Die Himbas leben meistens in Iglu-förmigen Hütten. Dafür wird ein Gerüst aus Ästen zusammengebunden und anschließend mit einer Mischung aus Lehm und Viehdung verputzt.

Wir werden in so eine Hütte eingeladen. Drinnen müssen wir uns erst an die Dunkelheit gewöhnen, um uns zu orientieren. Die Hüttenbesitzerin sitzt zusammen mit ihrem Kind auf einem Kuhfell. Dabei zerbricht sie kleine Stücke des Omuzumba-Strauches und legt sie zusammen mit der Glut des Feuers auf eine kleine Steinplatte. Das Ganze wird zerrieben und dabei steigt ein angenehm riechender Qualm von aromatischen Düften in die Höhe. Dieser Parfümrauch wird unter die Achselhöhle und den ganzen Körper gewedelt. Die Himba-Frauen sind offensichtlich stolz auf ihren speziellen Geruch, die intensive, rötlich-glänzende Haut und ihren Körperschmuck.

Am Schluss verabschieden uns die Himbas mit einem Tanz. Sie stampfen mit den Füssen in die Erde, klatschen heftig mit den Händen und abwechselnd wirbelt ein Mann durch den Kreis der fröhlichen Menge.

Wir haben die Himbas als freundliche und friedliche Menschen kennen gelernt und hoffen, dass sie in dieser sich schnell verändernden Welt trotzdem noch eine Zukunft haben.

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