teilen

14 Tage im Kruger Nationalpark

Ein großer Nationalpark

Lohnt es sich wirklich, zwei Wochen in einem Nationalpark zu verbringen und jeden Tag nach wilden Tieren Ausschau zu halten? Diese Frage ist natürlich eine sehr individuelle. Wenn man aber die afrikanische Wildnis liebt und spektakuläre Tiersichtungen auch gerne mit der Kamera dokumentiert, ist ein längerer Aufenthalt im Kruger Nationalpark auf jeden Fall lohnenswert. Jeder Tag ist anders und uns wird es beim „Game Viewing“ niemals langweilig.

Der Kruger Nationalpark hat eine Ausdehnung von etwa 350 km in Nord – Süd-Richtung und 55 km in Ost – West-Richtung. Mit einer Fläche von 20.000 km² ist er etwa halb so groß wie die Schweiz und damit einer der größten Nationalparks im südlichen Afrika. Die Landschaften und Vegetationszonen sind vielfältig und die Tierdichte sehr hoch. Auf einer „normalen“ Südafrikareise planen Touristen in der Regel maximal drei bis fünf Tage im Park ein. Aus unserer Sicht viel zu wenig für dieses bemerkenswerte Stück Land, welches seit 1926 als Nationalpark unter Schutz steht.

Tiere im Kruger Nationalpark

Im Kruger-Nationalpark finden sich 147 Säugetierarten, 492 Vogelarten, 118 Arten von Reptilien, 34 Amphibienarten und 50 Arten von Süßwasserfischen. Natürlich finden sich mit dem Afrikanischen Büffel, Nashorn, Elefant, Löwe und Leopard auch die „Big Five“ auf dieser Liste. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man diese fünf an einem einzigen Tag zu Gesicht bekommt. Geparden und Hyänen kann man im Kruger Nationalpark genauso sehen, wie die seltenen Afrikanischen Wildhunde. Der Park ist auch ein Hotspot für die Vogelbeobachtung. Zahlreiche getarnte „Bird Hides“, in denen man den Vögeln unentdeckt nahe kommen kann, laden zu einem Stopp ein.

Beste Reisezeit und Klima

Die jährliche Niederschlagsmenge variiert zwischen 740 mm im Südwesten und 440 mm im Nordosten des Parks. Die meisten Niederschläge fallen im Südsommer in den Monaten November bis März, wo es auch entsprechend heiß und schwül werden kann. Die Tiere verteilen sich dann großräumig im Park und Tiersichtungen werden schwieriger. Im südafrikanischen Winter zwischen Juni und September ist es mild und trocken.

Die beste Reisezeit für einen Besuch im Kruger Nationalpark ist entsprechend von Juni bis zum Einsetzen der Regenzeit im Oktober. Die Temperaturen sind angenehm und die Vegetation ist durch die Trockenheit nicht so dicht. Generell ist der Park aber das ganze Jahr einen Besuch wert.

Vorteile eines längeren Aufenthalts

Jedes Jahr kommen bis zu einer Million Besucher in den Park und es ist nicht einfach, diese Menschenmenge mit dem nachhaltigen Schutz der Natur in Einklang zu bringen. Die Anzahl der Besucher wird insbesondere in der Haupturlaubszeit und an den Wochenenden reglementiert, so dass Tagesbesucher an den Toren des Parks nach Erreichen eines bestimmten Kontingents abgewiesen werden. Insbesondere im Süden, im Bereich um das Paul-Kruger-Gate und dem Camp Skukuza, kann es auf den Hauptstraßen des Parks sehr voll werden. Wichtig: In den Südafrikanischen Ferien um den Jahreswechsel und zwischen Ende Juni und Mitte Juli kann es im Park voller als gewöhnlich werden. Dann sind rechtzeitige Reservierungen zu empfehlen.

Wenn man sich länger im Park aufhält, relativiert sich der Andrang. Man kann früh morgens bei Sonnenaufgang das Camp verlassen und auch die wenig befahrenen Nebenstrecken nutzen. Bis dann die vielen Tagesbesucher eintrudeln, hat man seinen Morning-Game-Drive schon fast abgeschlossen.

Fortbewegung, Unterkunft und Infrastruktur im Park

Der Kruger Nationalpark ist ein klassischer Selbstfahrerpark. Die Hauptrouten sind gut ausgebaut und asphaltiert, was keine besonderen Anforderungen an das Fahrzeug stellt. Verlässt man aber die häufig stark frequentierten Hauptrouten und bewegt sich auf den kleineren Dirtroads fort, ist es von Vorteil, ein Fahrzeug mit mehr Bodenfreiheit und gegebenenfalls Allradantrieb zu haben. Hier stellt sich auch sehr schnell ein schönes „Wildnisgefühl“ ein, welches man auf den asphaltierten Hauptrouten nicht in diesem Maße bekommt.

Die großen Camps im Park (siehe Karte) verfügen alle über erstaunlich gut ausgestattete Supermärkte und Tankstellen. Auch gute Restaurants sind hier zu finden. Neben dem Campingplatz bieten die Camps auch Unterkünfte (Chalets oder Bungalows) in unterschiedlichen Preisklassen und Größen an. Für ein wirkliches „Wildnisgefühl“ empfehlen wir die Miete eines mit Dachzelt ausgestatteten 4×4 Campers und die Übernachtung auf den Campingplätzen. Diese sind groß und eingezäunt, so dass keine wilden Tiere nachts den Platz besuchen. Dennoch kann man die Tierlaute wahrnehmen und fühlt sich der Natur viel näher, als in den gemauerten vier Wänden. Spannender ist noch die Übernachtung in einem der kleineren Satelliten-Camps wie Balule in der Nähe des Olifants Camps.

Karte des Kruger Nationalpark

Quelle: Wikimedia

Gliederung des Parks und ausgewählte Unterkünfte / Camps

Südlicher Teil des Parks

Hier im Süden ist es sehr tierreich und zwischen Malelane-Gate, Skukuza, Lower Sabie und Crocodile Bridge kann man tolle Sichtungen machen. Außerdem ist der Südosten des Parks Rhino-Land und die Chancen, dort ein Nashorn zu sehen, sind recht gut. Leider ist die Zahl der Rhinos aufgrund von Wilderei sehr stark zurückgegangen. Auf das genaue Weitergeben von Tiersichtungen wird entsprechend auch auf den „Sighting-Boards“, die in jedem Camp aushängen, verzichtet. Das hier liegende Camp Skukuza ist das größte Camp im Park und für uns das unattraktivste.

Zentraler Bereich des Parks

Uns hat der zentrale Bereich des Parks zwischen den Camps Lower Sabie, Satara und Oliphants / Balule am besten gefallen. Die Landschaft ist abwechslungsreich und auch am Wochenende ist es hier nicht zu voll. Hier haben wir viele schöne Katzen-Sichtungen erlebt. Das kleine Balule-Satelliten-Camp ist aus unserer Sicht eines der schönsten im Park, mit stimmungsvollen Petroleum-Lampen als Beleuchtung.

Nördlicher Teil des Parks

Der nördliche Teil des Parks, oberhalb des Letaba-Camps, ist geprägt von dichtem Mopane-Buschland. Das macht Tiersichtungen schwieriger und man kommt tendenziell eher ohne spektakuläre Fotos vom Game-Drive zurück. Dennoch ist auch dieser Teil reizvoll. Es ist viel weniger los und die Fahrt durch die Landschaft entlang der (Trocken-) Flüsse ist sehr spannend. Das Punda Maria Rest Camp ist nicht zu groß und schön gelegen und auch das einfache Tsendze Rustic Camp bei Mopani, mit seinen vielen Tiergeräuschen in der Nacht, hat uns gut gefallen. Außerdem konnten wir in diesem Gebiet riesige Büffelherden beobachten.

Ein typischer Tag im Park

Morgens um 5:15 Uhr klingelt der Wecker. Es ist noch stockdunkel draußen und im Zelt ist es angenehm kuschlig warm. Sollen wir wirklich schon wieder so früh aufstehen? Na klar! Kaffee wird gekocht und Brote für die Frühstückspause werden geschmiert. Dann wird das Zelt zugeklappt und das Auto abfahrbereit gemacht. Die Tore unseres Camps öffnen vor Sonnenaufgang und wir stehen schon bereit. Gestern haben wir uns noch mit anderen Gästen unterhalten und die besten Spots für frühe Tiersichtungen ausgetauscht. Nur ein paar Kilometer weiter soll ein Leopard im Schutz eines großen Baumes lagern. Wir machen uns auf den kurzen Weg und stellen den Motor ab, nur wenige Meter von dem Baum entfernt. Leise trinken wir unseren Kaffee aus der Thermoskanne, während die aufgehende Sonne die Szenerie langsam aber sicher ausleuchtet. Bewegt sich da was? Wir müssen ganz genau hinschauen, aber tatsächlich schleicht ein großer Leopard um den Baum herum. Wir halten den Atem an und schauen gespannt durch das Fernglas. Das Tier schaut in unsere Richtung und als Meister der Tarnung verschwindet er nach ein paar Sekunden zwischen hohem Gras und dem Baum.

Den weiteren Morgen fahren wir langsam die kleineren Straßen um unser Camp ab. Als die Sonne schon weiter oben am Himmel steht, essen wir unsere Frühstücksbrote mit Blick auf eine Herde Antilopen, die friedlich entlang der Straße grasen.

Gegen 11 Uhr kehren wir ins Camp zurück und machen es uns gemütlich. Jetzt in der wärmsten Zeit des Tages ruhen auch die Tiere. Erst gegen 15:30 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg zu unserer Nachmittagspirschfahrt. Die sinkende Sonne hüllt die Landschaft in goldenes Licht. Direkt vor uns überqueren zwei männliche Löwen mit schöner Mähne die Straße. Sie streifen durch das hohe Gras und bleiben immer wieder für ein Foto stehen. Der Sonnenuntergang ist herrlich, aber wir müssen auf die Uhr schauen: Das Tor unseres Camps schließt bald und die Ranger mögen es nicht, wenn man zu spät zurück ist. Schließlich gehört die Nacht den Tieren und wir menschliche Besucher liegen nach einem spannenden Tag sicher im Zelt und lauschen den Geräuschen der Wildnis. Bis ein neuer Tag beginnt.

Lese-Tipps